Lemke informiert – Teil 39: Alle Jahre wieder: Seid schlau- Stoppt den Klau!

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Im vergangenen Jahr wurden ca. 360.000 angezeigte Ladendiebstähle registriert. Dies ist sicher nur die „Spitze des Eisbergs“. Der Verlust der Warenwerte durch Ladendiebstahl wird auf ca. 4,3 Milliarden Euro (Studie EHI 2019) geschätzt. Ein Plus von 5% zum Vorjahr!

Wie erkenne ich denn überhaupt einen „möglichen“ Ladendieb?
Es gibt leider nicht den „typischen“ Ladendieb, der sofort und schnell „auf einen Blick“ beim Betreten eines Geschäfts zu erkennen ist. Die meisten Ladendiebstähle werden durch die „Gelegenheitsdiebe“ verursacht, die weit über 50 % aller Diebstähle ausmachen. Wann ist ein Ladendiebstahl „eigentlich“ ein Diebstahl? Wir unterschieden:

Vollendeter Diebstahl
Wenn jemand eine Ware unter seiner Kleidung oder mitgeführten Taschen bewusst „versteckt“, die Ware ist also für uns nicht mehr sichtbar ist, dann handelt es sich schon um einen vollendeten Diebstahl.

Versuchter Diebstahl
Wenn jemand eine Ware sichtbar trägt, diese an der Kasse nicht bezahlt und am Ausgang gestellt wird, begibt sich in die Gefahr einer Strafanzeige des „versuchten Diebstahls“.

Die Beweislage ist hier schwieriger, als bei einem vollendeten Diebstahl, da der ertappte Kunde sagen kann, dass er noch bezahlen wollte und dies nur vergessen hat. Hier gibt es oft, auch bei einer Strafanzeige, mildernde Umstände.

Wichtig ist eine klare Regelung im Betrieb:
Entweder: Sie sehen einen Diebstahl im Verkaufsraum und beobachten den Dieb, bis er die Kasse passiert und sprechen ihn danach an. Oder: Bei verdächtigem Verhalten wird der mögliche Dieb sofort angesprochen: „ Ich habe gesehen, dass Sie versehentlich etwas in die Tasche gesteckt haben, soll ich den Artikel schon an die Kasse bringen?“

Besser ist Vorbeugung! Auch Ladendiebe stehen unter „Anspannung“, was sich im Verhalten zeigt.

Auffälliges Verhalten wäre:

  • Der Kunde läuft scheinbar ziellos herum und wechselt auffällig häufig verschiedene Abteilungen.
  • Der Kunde verfolgt die Abläufe im Geschäft und stellt den Mitarbeitern Fragen, um sie in Sicherheit zu „wiegen“.
  • Der Kunde vermeidet bewusst den Kontakt mit Verkaufsmitarbeitern, auch wenn der Kunde vom Mitarbeiter angesprochen wird.
  • Der Kunde betritt unser Geschäft mit mehreren Taschen.

Tipp: Bieten Sie dem Kunden an, seine Taschen an der Info oder Kasse abzugeben, damit keine Missverständnisse aufkommen.

  • Zwei Personen trennen sich sofort bei Betreten des Geschäfts. Die Kunden gehen in verschiedene Richtungen.
  • Eine Kundengruppe schirmt sich gegenseitig ab, häufig zu beobachten bei Jugendlichen, die vor der Ware stehen.
  • Zwei Kunden verständigen sich durch Flüstern oder durch Handzeichen. Es kann das Signal sein: „Die Luft ist rein.“
  • Ladendiebe zu zweit bevorzugen die Ablenkung. Besonders in kleineren Geschäften mit wenig Personal können sie nicht alles im Blick haben. Oft ist es so, dass sich ein Kunde beraten lässt, während der andere stiehlt.

Nachfolgend die häufigsten Tricks und Betrügereien, die in letzter Zeit aufgefallen sind. Wenn die häufigsten Tricks allen Mitarbeitern bekannt sind, ist die Chance sehr groß, dass Ladendiebe um ein aufmerksames Geschäft einen „großen Bogen“ machen.

Die Top- Tricks:
Die einfache und gebräuchlichste Methode in der „kälteren“ Jahreszeit.
Die Ware verschwindet direkt in der Einkaufstasche, in großen Manteltaschen oder weiten offenen Jacken. Diese einfache Methode kommt in über 90% der Fälle zum Tragen. Es betrifft die so genannten „Gelegenheitsdiebe“, die heutzutage wieder wesentlich mehr geworden sind, also Täter, die zum ersten Mal „aufgefallen“ sind). Auch „verschwindet“ immer mehr in großen Handtaschen oder Rucksäcken.

Vorbeugung: Mitarbeiter aufmerksam sein und Kunden aktiv ansprechen. Auch die freundliche Begrüßung kann einem möglichen Dieb schon signalisieren, dass er „wahrgenommen“ wurde.

„Teuer gegen Billig“ im Karton
Diese Methode sei an einem einfachen Beispiel erläutert: An der Kasse bezahlt der Kunde ein günstiges Parfüm für 9,99 Euro. Im Karton befindet sich jedoch ein wesentlich hochwertigeres Parfüm für 84 Euro.

Vorbeugung: Immer an der Kasse die Ware „in die Hand“ nehmen und den Kartoninhalt genau kontrollieren.

„Zupacken“- Trick
Dieser Trick stellt einen Warenbetrug dar, würde man den Vorsatz beweisen können, was leider selten möglich ist. Betrüger bereiten diesen Trick meist in unüberschaubaren Ladenbereichen oder in Nebenräumen (Kundentoiletten, Restaurant im Markt, Umkleidekabinen u.a.) vor.

Der „Zeitschrift in Zeitschrift-Trick“
Ein z.B. hochwertiges Fachmagazin wird in eine wesentlich günstigere Zeitschrift gesteckt. Sehr beliebt mit kostenlosen Kundenmagazinen, die häufig in einem Geschäft „frei herum liegen“. Besser und „sicherer“ ist es, kostenlose Magazine dem Kunden immer an der Kasse persönlich zu übergeben. Dies hat auch eine höhere Wertigkeit für das Magazin. Auch ein Trick: Grusskarte in Zeitschrift.

Vorbeugung: Ansonsten immer Verkaufsmagazine und Bücher auf „Inhalte“ hin kontrollieren.

Der „Umetikettier- Trick“
Dieser Trick ist strafrechtlich eine Urkundenfälschung, sollte der Betrüger vor Ort „erwischt“ werden. Häufig lassen unachtsame Mitarbeiter Preisauszeichnungsgeräte im Geschäft liegen. Dies kann dann leicht von Betrügern genutzt werden, sich die Preise „selbst zu machen“. Die Preisauszeichner sind heutzutage selbst für Laien leicht zu benutzen. Alle Preisauszeichnungsgeräte in einem Geschäft sollten immer verschlossen und nur für Verkaufsmitarbeiter zugänglich sein. Auch möglich, dass Scanneretiketten einfach vertauscht werden. Wichtig ist zu wissen, dass der Preis am Verkaufsregal eine Preisangabe darstellt und „nur“ der Preis in der Kassenanzeige und auf dem Kassenbon rechtlich gilt.

Der „Kinderwagen- Trick“
Ein Kinderwagen ermöglicht es, eine große Anzahl Artikel zu entwenden. Die Ware wird aus Platzmangel „notwendigerweise“ auf die untere Ablage gelegt. Oft wird dann das Bezahlen der Ware an der Kasse „vergessen“?!

Vorbeugung: Immer aufmerksam bleiben und beobachten, wenn der Vater oder die Mutter auffällig häufig mit Ware in der Hand zum Kinderwagen geht. An der Kasse genau beobachten- auf anhängende Taschen achten und evtl. nachfragen. Auch prüfen, ob ein Kind etwas in der Hand hält.

Fazit: Regelmäßiges Training und Schulung der Mitarbeiter ist ein absolutes Muss. Häufig sind Ladendiebe besser informiert, als der Mitarbeiter im Fachmarkt. Hans Günter Lemke bietet neben Schulungen und Webinaren, auch Seminarbausteine und Bücher zum Selbsttraining an.

(Autor/Quelle: www.lemke-training.de)

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