DDZ-Verleger Elgo Schwaab verstorben

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DDZ-Verleger Elgo Schwaab verstarb am 18.11.2017 im Alter von 80 Jahren.

Elgo Schwaab ist vielen Menschen in der Drogeriewarenbranche noch heute ein Begriff. Über 27 Jahre war er als Herausgeber der Deutschen Drogisten Zeitung DDZ die mächtige Stimme der Branche. Seine Vorworte in der DDZ waren beliebt und gefürchtet zugleich, denn Elgo Schwaab nannte die Dinge beim Namen und öffnete so manchen Drogisten die Augen, auch wenn der sie gar nicht öffnen wollte.
Schon in den 80er Jahren prophezeite er in der DDZ den Siegeszug der Drogeriemärkte voraus. Das wollten inhabergeführte Drogerien und deren Verbände zwar weder lesen noch hören, doch letztendlich erfüllten sich alle seine Voraussagen. Seine Wettbewerber DDD (Die deutsche Drogerie) und DDF (Deutscher Drogeriefachhandel) verschwanden schon sehr früh aus dem Medien-Markt, die DDZ setzte sich als die Fachzeitschrift der Drogeriewarenbranche durch. Interessante Berichte über Handel, Industrie, Marktdaten aus Deutschland und Europa präsentierte die DDZ jeden Monat in allen

Die Veröffentlichung von Marktdaten war immer der Schwerpunkt der DDZ-Redaktion.

Drogerien, Drogeriemärkten, Parfümerien, Warenhäusern und der Industrie. Die Lebensmittelbranche hatte ihre LZ, die Drogeriewarenbranche die DDZ. Insbesondere die jährlich veröffentlichten DDZ-Marktdaten waren hoch begehrt. Wenn Elgo Schwaab auftrat dann scharten sich die Manager aus Handel und Industrie um ihn und seine charmante Anzeigenleiterin Heidi May. Auf den Messen Beautyworld, Tendence war der DDZ-Stand immer gut besucht.

Der Vorläufer des DDZ-Guides war die Sonderausgabe „50 Jahre DDZ“ (7/1995) in der die gesamte Branche auf 172 Seiten mit Markdaten präsentiert wurde. Das DDZ-Team 1995 vorne: Heidi May, Elgo Schwaab, Edith Schwaab. Hinten: Heinz Schnell, Jutta Gunzelmann, Günter Schnepf, Marie Luise Spengler.

Die DDZ-Sonderausgaben „50 Jahre DDZ“ (1995) oder „DDZ-Spezial Europa“ (2002) waren Höhepunkte der Brancheninformation und Vorläufer des später immer im August erschienenen „DDZ-Guides“. Darin befanden sich komplette Präsentationen der Marktteilnehmer sowie Marktforschungsdaten zur Branche. Sie wurden zu Verkaufsschlagern des ES-Fachschriften Verlags. Die Veröffentlichung von Marktdaten war immer der Schwerpunkt der DDZ-Redaktion.

Doch Elgo Schwaab war nicht nur der Herausgeber der DDZ. Viele verschiedene Fachzeitschriften wurden unter ihm in seinem ES-Faschriften Verlag GmbH ins Leben gerufen. Von Beginn an des Verlags 1980 in Frankfurt gab er neben der DDZ auch den „PV-Report“ (heute „Chefs best“) jeden Monat heraus, eine monatlich erscheinende Fachzeitschrift für die Personalverpflegung (Kantinen, Vending, System-Gastronomie). Auch in dieser Branche war Elgo Schwaab sehr bekannt und auf den Veranstaltungen der Köche-Verbände hoch willkommen. Neben DDZ und PV-Report erschienen in den 80er und 90er Jahren noch die Fachzeitschrift „Erlebniscenter Bahnhof“, ein Magazin speziell für den Handel und die Gastronomie in deutschen Bahnhöfen, „Meine kleine Welt“, ein Freizeit-Magazin, und der von seinem Sohn Alexander Schwaab geleitete jährliche Reiseführer „Abenteuer Schmalspurbahn“, das ab 1996 unter dem neuen Titel „EisenbahnTourist“ jährlich in der Medienagentur WINTHERBURG erschien.

Im März 2007 wurde die DDZ in die DWZ integriert.

1990 wurde sein ES-Fachschriften-Verlag GmbH von Frankfurt nach München verlegt. Der Grund lag in der Übernahme des Schwaabschen Familiensitzes in München nach dem Tod seiner Mutter. Seine bayerischen Wurzeln hat Elgo Schwaab immer wieder geschickt in seinen Auftritten und Veranstaltungen eingeflochten. Unvergessen bleibt die Feier 50 Jahre DDZ 1995 im historischen Rathaus von München auf der sich der gesamte Drogeriewarenhandel und die -industrie trafen. Auch sein Hobby Eisenbahn konnte man oft erkennen. Nicht selten wurden Fotos mit ihm aus einer Lokomotive herauswinkend veröffentlicht: „Elgo Schwaab – der Lokomotivführer der Branche“ lautete immer wieder die Unterschrift darunter.
Im Jahr 2003 verstarb seine Anzeigenleiterin Heidi May, mit der er seit Beginn des ES-Fachschriften Verlags in allen Branchen seiner Magazine europaweit unterwegs war. 2006 beschloss er altersbedingt das Ruder abzugeben und übergab die DDZ im März 2007 seinem Sohn Alexander Schwaab, der sie in seine junge und erfolgreiche DWZ integrierte. Die DWZ startete bereits im November 2004 hatte aber strukturelle und konzeptionelle Unterschiede zur DDZ. Nach der Integration der DDZ in die DWZ erschien ab März 2007 die DWZ/DDZ. Die letzte eigenständige DDZ war die Ausgabe Jan/Feb 2007, in dessen Editorial sich Elgo
Schwaab von der Branche verabschiedete. Ab 2009 wurde das DDZ-Logo von der Titelseite der DWZ entfernt, seit dem gab es nur noch die Marke DWZ. Doch noch heute wird die DWZ-Redaktion manchmal mit DDZ angeschrieben. Starke Marken halten sich lange.

 

Elgo Schwaab engagierte sich nicht nur als Verleger, sondern auch als „Eisenbahnretter“ für verschiedene Bahnstrecken in der 1980er Jahren in Hessen. Hervorzuheben sind die Rettung der „Niddertalbahn“ von Stockheim nach Bad Vilbel sowie die Straßenbahn in Frankfurt.

1981 sollte die Niddertalbahn, die auch durch seinen damaligen Wohnort Nidderau-Windecken fuhr, mittelfristig still gelegt werden, da sie damals von der DB Frankfurt als unrentabel angesehen wurde. Diese Fehleinschätzung veranlasste ihn und seinen Freund Hans-Gerd Harding einen privaten „Arbeitskreis Nahverkehr AKN“ in Nidderau zu gründen, der sich mit der Rettung der Niddertalbahn befasste. Der AKN erarbeitete Konzepte für ein besseres Schienen- und Bus-Angebot entlang der Strecke und band die Bürgermeister entlang der Bahnlinie sowie die Bundesbahndirektion Frankfurt mit ein. Diese Initiative war so erfolgreich, dass 1987 aus dem privaten AKN in einer Bürgermeisterversammlung in Nidderau die kommunale „Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Niddertal (AGNV Niddertal)“ entstand, in der alle Gemeinden entlang der Strecke, die Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig (KVG-MKK), die Kreisverkehrsgesellschaft Wetterau (KVG-W), der Rhein-Main-Verbund (RMV) und die DB heute Mitglied sind. Das Ergebnis war, dass die Fahrgastzahlen von 1.800 (1981) auf 8.000 (2016) gesteigert wurden und die Niddertalbahn heute als Vorbildstrecke der DB Frankfurt gilt.

Seine guten Kontakte zur DB Frankfurt nutzte er um am 23. um 24.7.1988 „Intercity-Züge“ auf der Nidertalbahn zur 700-Jahre-Feier der Stadt Windecken zu organisieren. Und auch den Höhepunkt dieser Stadt-Feier, berittene Ritter-Turniere an der Schloßberhalle, organisierte und finanzierte er. Der Name Elgo Schwaab ist in Nidderau-Windecken recht bekannt.
Siehe auch:
http://www.zeit.de/1991/02/signal-auf-gruen 
http://www.fr.de/rhein-main/alle-gemeinden/main-kinzig-kreis/main-kinzig-kreis/attraktiv-aber-zu-laut-a-1113194
http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/niddertalbahn-wird-bis-2008-ausgebaut-1253229.html

In den 1980er-Jahren kam in Frankfurt (damaliger Sitz des ES-Fachschriftenverlags) unter dem CDU-Bürgermeister Brück die Idee „Schienenfreie Innenstadt Frankfurt“ auf, wonach alle Straßenbahnen in Frankurt durch U-Bahnen ersetzt werden sollten. So gründete Elgo Schwaab zusammen mit anderen Straßenbahnfreunden einen „Arbeitskreis Nahverkehr Frankfurt (AKN-F)“ und erarbeitete Konzepte zur Erhaltung der Straßenbahnlinien in der Innenstadt. Als dann die neue U4 feierlich eröffnet werden sollte, bewirkte dieser AKN-F, dass der Regierungspräsident die Stilllegung der Straßenbahn in der Innenstadt verbot. Daraufhin sagt OB Brück die Feier ab. Das Thema Straßenbahn in Frankfurt wurde zum Politikum in der Presse hochgefahren und Brück verlor seine Wiederwahl. Doch die Politik rächte sich scheinbar an den führenden AKN-F-Mitgliedern: Ein Stadtwerke-Mitarbeiter wurde intern versetzt, ein aktiver Pfarrer wurde in eine andere Gemeinde versetzt und der ES-Fachschriftenverlag bekam eine Betriebsprüfung – alles natürlich reiner Zufall. Heute besteht die Straßenbahn-Altstadtlinie immer noch und die Stadtpolitik in Frankfurt plant wieder den Ausbau der Straßenbahnen. Elgo Schwaab hinterließ viele Spuren im Eisenbahnwesen.

 

Seit 2007 widmet sich Elgo Schwaab voll seinem Hobby Eisenbahn und Gartenbahn. Dieses geht so weit, dass er sich bereits 1997 eine Straßenbahn von 1937 aus seiner Geburtsstadt Nürnberg in seinen Garten stellen ließ um sie dort künftig als Bar-Wagen zu nutzen. Der bayerische Rundfunk griff das Thema auf und sendete 2009 einen kurzen TV-Beitrag über dieses Unikum.

Am 18.11.2017 verstarb Elgo Schwaab im Alter von 80 Jahren in München.

(Autor/Quelle: www.drogeriewarenzeitung.de)

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