Galeria Kaufhof strebt neuen Tarifvertrag an, Verdi kritisiert

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  • Der Warenhauskonzern hat den Dialog mit der Gewerkschaft ver.di aufgenommen,
    um zu wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen zurückzukehren.
  • Galeria Kaufhof rüstet sich für die Zukunft und wandelt sich von einem traditionellen
    Warenhaus in einen modernen Omni-Channel-Retailer.

Galeria Kaufhof hat den Dialog mit der Gewerkschaft ver.di aufgenommen, um einen neuen Tarifvertrag zur  Beschäftigungssicherung abzuschließen. Angesichts der anhaltend negativen Entwicklungen im stationären Einzelhandel, verbunden mit der starken Wettbewerbsverzerrung durch ungleiche Personalkosten braucht Galeria Kaufhof mehr denn je einen modernen und wettbewerbsfähigen Tarifvertrag, der der heutigen Arbeitswelt im Einzelhandel entspricht und fairen Wettbewerb ermöglicht.

Die deutsche Tarifautonomie sieht ausdrücklich die Möglichkeit vor, Tarifverträge für einzelne Firmen oder Standorte abzuschließen. Eine entsprechende Möglichkeit, einen  Beschäftigungssicherungstarifvertrag, wird die Geschäftsführung von Galeria Kaufhof gemeinsam mit ver.di und den Arbeitnehmervertretern diskutieren. Dadurch könnte das Unternehmen kurzfristig notwendige Einsparungen erzielen sowie Rahmenbedingungen und Entgeltstrukturen so anpassen, dass die Schere zwischen Lohn- und Umsatzentwicklung bei Galeria Kaufhof nicht weiter auseinandergeht. Dr. Wolfgang Link, CEO von Galeria Kaufhof und HBC Europe, erklärt: „Galeria Kaufhof entwickelt sich von einem traditionellen Warenhaus in einen modernen Omni-Channel-Retailer. Unser Ziel ist es, das Unternehmen wieder nachhaltig profitabel zu machen und für die Zukunft eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur, einschließlich der Löhne, zu schaffen.“

In den vergangenen zwei Jahren hat das Unternehmen enorme Veränderungsprozesse in Gang gesetzt. Schritt für Schritt modernisiert Galeria Kaufhof ihr Filialnetz, führt neue Konzepte und Marken ein und baut den Hauptsitz in Köln zum zentralen Hub für das Europageschäft aus. „Wir werden unsere Filialen weiter modernisieren und an die sich verändernden Anforderungen und Wünsche unserer Kunden anpassen. Wir sehen bereits erste positive Effekte, aber insgesamt werden diese Maßnahmen alleine nicht ausreichen. Da sich der Einzelhandel immer schneller verändert, müssen wir jetzt handeln“, erklärt Dr. Link. Die gesamte Branche befindet sich in einem Strukturwandel. Marktanteile wandern ins Internet ab und die Anforderungen der Kunden verändern sich kontinuierlich. Innenstädte werden weniger stark frequentiert und die zu erzielenden Margen gehen deutlich zurück. An diese Entwicklung muss sich Galeria Kaufhof, genauso wie der gesamte Markt, anpassen und entwickelt sich so von einem traditionellen Kaufhaus in einen modernen Omni-Channel-Retailer.

„Wir haben einen langfristigen Plan für den zukünftigen Erfolg von Galeria Kaufhof und arbeiten aktiv daran, diesen Schritt für Schritt umsetzen. Wir sind überzeugt, dass der sich schnell verändernde Einzelhandel auch Chancen bietet. Dafür muss sich Galeria Kaufhof an die neuen Kundenwünsche und Marktentwicklungen anpassen“, so Dr. Link. Galeria Kaufhof legt daher großen Wert darauf, dass sich die verschiedenen Maßnahmen sinnvoll ergänzen: Neben einem strikten  Kostenmanagement und den jetzt eingeleiteten Maßnahmen investiert das Unternehmen weiterhin gezielt in seine Filialen, baut das Online-Geschäft aus und stärkt die Vernetzung der Filialen sowie zwischen dem stationären und Online-Angebot.

Für Galeria Kaufhof kommt erschwerend hinzu, dass im Markt enorme Ungleichheiten bei den Personalkostenstrukturen bestehen. Die Lösung, die die Geschäftsführung von Galeria Kaufhof nun anstrebt, ist keine Abkehr von der Tarifpartnerschaft, sondern soll dem Unternehmen eine wirtschaftliche Atempause verschaffen, bis die angestoßenen Wachstumsmaßnahmen vollständig greifen.

Peter Herlitzius, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor von Galeria Kaufhof, sagt: „Vergleiche in der Einzelhandelsbranche zeigen, dass es durchaus möglich ist, auch innerhalb der Tarifpartnerschaft die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen und zu wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen zurückzukehren. Diesen Weg werden wir nun auch für Galeria Kaufhof gehen.“ Anders als Galeria Kaufhof haben viele Wettbewerber in den vergangenen Jahren die Tarifbindung verlassen, wodurch Galeria Kaufhof im direkten Vergleich deutlich benachteiligt ist.

Mit HBC hat Galeria Kaufhof einen erfolgreichen Handelskonzern als Partner, der erheblich in die Weiterentwicklung des Geschäfts investiert hat. Kein anderes Unternehmen in Europa investiert, modernisiert und prägt den Einzelhandel so konsequent wie HBC – und wird auch in Zukunft signifikant in Galeria Kaufhof investieren.

„Wir sind uns bewusst, dass ein neuer Tarifvertrag für unsere Mitarbeiter Einschnitte bedeutet.
Dieser Schritt ist jedoch unvermeidlich, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und damit Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Wir wollen in Zukunft gemeinsam erfolgreich sein und uns als einer der größten Arbeitgeber im deutschen Einzelhandel unsere Branche weiterentwickeln“, so Peter Herlitzius.

(Autor/Quelle: www.kaufhof.de)

 

Ver.di: Kaufhof-Beschäftigte wollen nicht für Managementfehler bezahlen. Kaufhof muss ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen.

Angesichts des Antrags der Unternehmensführung von Kaufhof auf einen Beschäftigungssicherungs-tarifvertrag finden an etlichen Standorten an diesem Freitag (13. Oktober 2017) bundesweit nichtöffentliche Betriebsversammlungen statt, zu denen die Betriebsräte von Kaufhof eingeladen haben. Zum Teil kam oder kommt es auch schon heute zu Betriebsversammlungen.

Im Vorfeld sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger: „Die Beschäftigten von Kaufhof wollen nicht für Managementfehler büßen. Bereits seit 2015 weisen der Gesamtbetriebsrat und der Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrats regelmäßig auf Managementfehler hin, etwa auf eine nicht erkennbare Verkaufsstrategie und eine verfehlte Rabattpolitik. Ein Umsteuern konnten wir aber bis heute nicht erkennen. Wir erwarten von Kaufhof einen klaren, tragfähigen Zukunftsplan. Kaufhof braucht überzeugende Konzepte, wie die Umsätze gesteigert werden sollen. Mit Personalkostenkürzungen bringt man das Unternehmen nicht voran.“

Nutzenberger verwies auf zahlreiche offene Fragen, die zu klären seien. „Dazu gehört die Frage möglicher überhöhter Mieten und auch, wie der Mutterkonzern HBC agiert. Wieviel Geld fließt tatsächlich für Investitionen von HBC an Kaufhof zurück und wieviel Geld fließt von Kaufhof zu HBC ab? Es wirft Fragezeichen auf, wenn HBC einerseits die kapitalintensive Europaexpansion vorantreibt, andererseits aber nun angeblich so wenig Geld da ist, dass man den Beschäftigten bei Kaufhof in die Tasche greifen will. Wir werden diese Fragen alle auf den Tisch bringen. HBC muss seiner sozialen Verantwortung gerecht werden, das hat das Unternehmen bei der Übernahme von Kaufhof schließlich vollmundig versprochen und die Beschäftigten haben das als klares Bekenntnis zum vollständigen Flächentarifvertrag verstanden. Die Beschäftigten sind die letzten, die auf etwas verzichten können. Sie und ihre Familien sind auf ihre Einkommen dringend angewiesen“, so Nutzenberger.

Das weitere Vorgehen, kündige Nutzenberger an, werde „eng mit den Betriebsräten, der Tarifkommission und den Beschäftigten abgestimmt, denn es geht um ihre Interessen.“

(Autor/Quelle: www.verdi.de)

 

 

 

 

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