Lemke informiert – Teil 4: Mitarbeiterklau- ein ernstes Problem

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Über das Thema „Mitarbeiterdiebstahl“ wird auch heute noch nur ungern gesprochen. Diebstahl durch Mitarbeiter ist häufig auf den ersten Blick schwer zu erkennen. Gerade die Mitarbeiter, die scheinbar ganz im Interesse der Firma stehen und handeln, benutzen dieses Vorgehen, um das Eigentum der Firma zu stehlen. Diebstahl durch Mitarbeiter ist ein Verbrechen, dessen Vorkommnis sich Firmeninhaber selten eingestehen wollen. Dies gilt besonders für langjährige Mitarbeiter, denen man lange und viele interne Dinge und Informationen anvertraut hat.

Dabei belegen und beweisen viele Untersuchungen in Einzelhandelsunternehmen eindeutig und übereinstimmend folgende Ergebnisse:

  • Ca. 20-30 Prozent der Inventurdifferenzen im Handel entstehen durch eigene Mitarbeiter und Aushilfspersonal.
  • Die Hälfte der internen Verluste entsteht im Kassenbereich.
  • Ein unkorrekter Mitarbeiter richtet im Durchschnitt zehn Mal so viel Schaden an wie ein Ladendieb.
    Auch zeigt die Erfahrung, dass bei aufgefallenen Fällen dies meist Mitarbeiter mit einer Betriebszugehörigkeit ab sieben Jahre betraf. Dies, da dieser Personenkreis ein Vertrauensverhältnis in dem Unternehmen hat und alle Schwachstellen in der Organisation kennt.

Es ist auch nicht so leicht, einen Mitarbeiter des Diebstahls zu überführen. Meist geschieht dies nur mit speziellen Überwachungsmaßnahmen, wobei vorher die Zustimmung des Betriebsrates eingeholt werden muss. Auch ist es immer noch eine Seltenheit, dass ein Mitarbeiter einen anderen „anzeigt“, wenn dieser unehrlich war. Dabei geht es um die Existenz eines jeden in einem Betrieb oder Geschäft.

Warum passieren Mitarbeiterdelikte?
Natürlich ist es selten so, dass ein Mitarbeiter mit dem Vorsatz unehrlich zu sein oder den „Chef“ zu betrügen, seine Tätigkeit aufnimmt. Vielmehr werden auch vom Vorgesetzten Fehler im Umgang und Verhalten mit dem Mitarbeiter gemacht.

Der Mitarbeiter hat ein fehlendes Unrechtsbewusstsein und meint, in den Verkaufspreisen sei alles mit einkalkuliert. Dem Mitarbeiter fehlen Informationen, wie die Verkaufskalkulation aussieht.
Auch ein schlechtes Betriebsklima kann zur Unehrlichkeit von Mitarbeitern führen. Motto: „Dem Chef“ wische ich eins aus.“

Soziale Probleme wie z. B Überschuldung, Alkoholmissbrauch oder auch kriminelle Veranlagungen bei Mitarbeitern führen häufig zu Delikten. Es sollte ein Grundsatz für jede Führungskraft sein, sich mit den Problemen seiner Mitarbeiter ausführlich zu beschäftigen und wenn möglich immer Hilfe anzubieten.
Auch ein Missmanagement des Betriebes kann zur Unehrlichkeit verleiten. Wenn trotz höherer Inventurverluste keine Maßnahmen eingeführt werden, vermehrt Mitarbeiterdelikte ausschließen (z.B. Personalkontrollen am Ausgang, Taschenkontrollen usw.) braucht sich nicht zu wundern, wenn Gelegenheit Diebe macht.

Übersteigerte Ansprüche z.B. auch durch negativen Einfluss in der eigenen Familie eindeutig und übereinstimmende Ergebnisse.

Was kann überhaupt vorbeugend getan werden?
Personalfluktuation gering halten. Deshalb schon in den Einstellungsgesprächen sorgfältig sein und prüfen, welche Einstellung der mögliche neue Mitarbeiter hat und wie sein Lebensstandard bisher ist und welche Ansprüche hat er.
Regelmäßige Schulungen im Geschäft über alle Themen zur Diebstahlvorbeugung. Mindestens einmal im Jahr.
Motivation der Mitarbeiter. Auch demotivierte Mitarbeiter neigen eher dazu, nicht immer ehrlich zu sein. Nicht mit Lob sparen, wenn ein Mitarbeiter etwas gut gemacht hat.

Prämien oder Vergünstigungen für die Mitarbeiter. Lassen Sie sich etwas einfallen, wenn Sie die Inventurdifferenzen verringern wollen. Oft hilft eine kleine Prämie (Warengutschein) als Anreiz für den Mitarbeiter, mehr auf Ladendiebe zu achten.

Information der betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge eines Geschäfts. Erläutern Sie ihren Mitarbeitern, was eine Inventurdifferenz für die Ertragslage oder den Gewinn bedeutet.

Neue Mitarbeiter immer umfassend einarbeiten , z.B. („Pate“- Begleitung- Training- einsetzen).

Beispiele von „erlebten“ Fällen bekanntmachen und Konsequenzen (fristlose Kündigung, Gesichtsverlust usw.) aufzeigen.

Regelmäßige Gespräche z.B. bei Kassendifferenzen. Vermeiden Sie, wenn möglich, dass Bargeld an den Kassen steht. Trinkgeldkasse-Spendenbox o.ä. Gefahr: Mitarbeiter „füllt“ seine Kasse bei Minusdifferenzen selbst auf oder nimmt „Trinkgeld“ von Kunden an (Beispiel: Kunde muss 29,95 € zahlen- gibt 30 Euro („stimmt so“). Wenn möglich, sollten Mitarbeiter, die auch an der Kasse sind, kein Privatgeld bei sich haben (Dieser Punkt ist häufig Bestandteil von Kassenanweisungen). Auch ist es notwendig mit Stellenbeschreibungen bzw. Arbeitsanweisungen zu arbeiten, die jeder Mitarbeiter auch unterschreiben sollte.

Auch der Einsatz bzw. die Installation einer Videoüberwachungsanlage kann „abschreckend“ gegen Mitarbeiterdiebstahl wirken.

Einsatz von Testkäufen
Testkäufe helfen vorbeugend, Fehler der Mitarbeiter (besonders an der Kasse) zu erkennen und helfen, dass die Mitarbeiter sensibler und besser in ihrer Tätigkeit werden. Es ist nicht einfach das richtige Unternehmen zu finden. Prüfen Sie mehrere Anbieter.

  • Welche Leistung wird für das Honorar geboten?
  • Wie groß ist das Unternehmen- wie viel Mitarbeiter
  • Geben Sie genau vor, was geprüft werden soll.
  • Erstellen Sie einen Dienstleistungsvertrag (Zeitraum, Kosten, Abwicklung, welche Mitarbeiter kommen)
  • Informieren Sie den „Testkäufer“ über alle relevanten Gegebenheiten in ihrem Betrieb.

Hans Günter Lemke führt mit einem Partner auch Testkäufe für den Drogerie- und Parfümfachhandel durch.

(Autor/Quelle: www.lemke-training.de)

 

 

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