Der Prozess um Anton Schlecker

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„Wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen“
lautet ein altes deutsches Sprichwort. Diese Lebensweisheit trifft seit einigen Jahren auch den ehemaligen europäischen Drogeriemarkt-König Anton Schlecker und seine ganze Familie. Als unermüdlicher Einzelunternehmer erschuf Anton Schlecker über Jahrzehnte ein Europa-weites Drogerie-Filial-Netz das in seiner Größe und in seinem Wachstumswillen wohl einzigartig in der Geschichte des Drogeriehandels sein dürfte. „Alle drei Kilometer finden Sie eine Schlecker-Filiale“ bzw. „Niemand verkauft so viel wie Schlecker“ lauteten einmal die Werbe-Slogans bei Schlecker. Auch bot Schlecker als einer der ersten einen Online-Versand von Drogeriewaren im großen Ausmaß an. Die logistischen Leistungen von Schlecker waren gigantisch. Vielen Menschen, die wo anders keinen Job fanden, bot Schlecker über Jahrzehnte einen zuverlässigen Arbeitsplatz mit pünktlicher Bezahlung.

In vielen kleinen Orten, an denen es kaum noch Handelsläden gab, boten die kleinen Schlecker-Filialen eine Nahversorgungsfuktion: „For you, vor Ort“ sollte Schleckers Stärke sein. Doch die ertragreichen Städte verlor Schlecker sehr schnell an andere Drogeriemärkte die ihren Kunden größere und ansprechendere Filialen boten. Hinzu kam kam eine völlige Negierung der Öffentlichkeitsarbeit. Das Schlecker-Imperium war für Medien und Presse tabu. Erst mit dem Eintreten seiner beiden Kinder Lars und Meike Schlecker in das Unternehmen verbesserte sich die Öffentlichkeitsarbeit. Zu spät, denn da war bereits das Image von Schlecker jahrelang durch Medien und Gewerkschaften in den Boden kommentiert worden. Einerseits mied Anton Schlecker jede Öffentlichkeit, andererseits wollte er seinen Namen möglichst in jedem Ort sehen; ein psychologisch interessanter Widerspruch in sich. Seine zweite Marke „IhrPlatz“ hätte er unbeschadet aufbauen können, zog es aber vor, lieber „Schlecker XXL“-Läden zu entwickeln, denn da stand wieder sein Name.

Anton Schleckers einziger Fehler war, dass für ihn letztendlich Expansion und Präsenz wichtiger waren als die Rentabilität. „For you, vor Ort“ war nicht erst am Ende, sondern von Anfang an der Antrieb seines Unternehmens. Tatsächlich erreichte er auch sein eigentliches Ziel, nämlich seinen Namen alle paar Kilometer im Land an einem Laden lesen zu können. Das ist ein sehr persönliches und emotionales Ziel, doch die Betriebswirtschaft kennt ein anderes Ziel: Gewinn in Zahlen, und das wäre mit der Hälfte an Filialen, größer und moderner, viellecht dauerhaft möglich gewesen.

Anton Schlecker führte sein Unternehmen als Einzelunternehmen. „Anton Schlecker sagt Danke“ stand auf jedem Kassen-Bon. Die Kunden kauften nicht bei einer haftungsbeschränkten GmbH oder AG, nein sie kauften bei ihm persöhnlich. Das Unternehmen Anton Schlecker war auch das Leben von Anton Schlecker. Mit dem Zusammenbruch seines Drogerie-Imperiums brach auch sein privates Vermögen zusammen. Dass er vielleicht in den letzten Monaten des Niedergangs (den er nie wahr haben wollte) versuchte die materielle Existens seiner Familie irgendwie noch zu retten können ihm vielleicht listige Juristen (ein ganz besondere Menschen-Typ) vorwerfen, moralisch aber war es seine Pflicht und auch sein moralisches Recht nach jahrzehnten erfolgreicher Beschäftigung von tausenden Menschen und unermüdlicher Arbeitsleistung. Jahrzehnte lang verdienten Industrie und Arbeitnehmer durch Anton Schleckers Unternehmen.

Peinlich bis bösartig sind die Vorwürfe aus den insbesondere links angehauchten Medien, die Anton Schlecker mehr oder weniger vorwerfen sich an der Insolvenz bereichert zu haben, als ob die Insolvenz sein Ziel gewesen wäre. Das Gegenteil war der Fall. Anton Schlecker investierte über Jahre privates Vermögen in die Rettung seines Lebenswerkes. Jeder andere hätte bereits in den Jahrzehnten zuvor die Rechtsform auf Haftungsbeschränkung geändert und somit viel Geld in die private Sicherheit gesteckt. Anton Schlecker tat dies nicht, denn eine Existenz ohne sein Unternehmen erschien ihm wohl unmöglich – wieder so eine emotionale aber wenig rationale Entscheidung.

„Wenn einer am Boden liegt, dann tritt man nicht mehr nach“ lautet ebenfalls eine humanistische Grundregel im Lebenskampf. Diese Grundregel gilt offensichtlich für viele „Gutmenschen“ und Journalisten nicht. Sogenannte „Schlecker-Frauen“, Gewerkschaften, linke Politiker und Journalisten werfen Anton Schlecker vor, Existenzen zerstört zu haben, in dem irrigen Wahn, Anton Schlecker hätte Mitarbeiter verbeamtet oder gar adoptiert. Das hat noch kein Unternehmen je getan. Über Jahrzehnte sorgte er für einen sicheren, pünktlich bezahlten Arbeitsplatz, für Nahversorgung bis in die kleinsten Ecken des Landes, verlor dann aber aus verschiedenen Gründen alles. Es wird Zeit Anton Schlecker Tribut zu zollen…

Alexander Schwaab (DWZ)

 

Videobeiträge
Einer der ehemals erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands muss sich rechtfertigen. Dabei hat Anton Schlecker die Öffentlichkeit immer gemieden und als Einzelkaufmann seine Existenz in den Dienst seines Unternehmens gestellt. Hier finden Sie einige Videos aus dem Internet.

Dokumentarfilm „Der Schlecker Prozess“ (SWR):  https://youtu.be/c7-HG8Gk_Ls

 

Zusammenfassung über die Klagepunkte der Staatsanwaltschaft und Forderungen der ehem. Schlecker-Beschäftigten:

Schlecker vor Gericht, ARD Plusminus:  https://youtu.be/vv1ycD50Y7g

 

Die Tagesschau meldete am 29.5.2017, dass das Strafverfahren gegen Christa Schlecker (Ehefrau von Anton Schlecker) wegen angeblicher Beihilfe zum Bankrott und der Prozess gegen zwei mitangeklagte frühere Schlecker-Wirtschaftsprüfer eingestellt wurde. (Quelle)

 

(Autor/Quelle: ARD, SWR, Youtube)

 

 

 

 

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