Parfümerietagung 2017 – Fangen Sie sofort an!

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Die 63. Parfümerietagung des Bundesverbands Parfümerien stand unter dem Motto: “Echt? Glaubwürdig?! – Ehrlich, aufrichtig, konsequent! – Wege aus der Rabattfalle“. Sie fand am 03. und 04. April 2017 in Düsseldorf statt. Zwei Tage lang diskutierten Vertreter aus Handel und Industrie über den Status Quo und Zukunftsperspektiven für die Parfümeriebranche.

„Das Interesse aus der Branche war in diesem Jahr riesengroß. Schon am ersten Tag war der Saal buchstäblich bis auf den letzten Platz gefüllt“ freut sich Elmar Keldenich, Geschäftsführer des Bundesverbandes Parfümerien. „Wir haben mit dem Thema offensichtlich den Nerv der Branche getroffen.“ so Keldenich weiter. Doch nicht nur die Vortragsthemen sorgten für Diskussionen.

Gesprächsstoff schon vor Beginn des öffentlichen Teils
Für Gesprächsstoff sorgte, schon vor Beginn des öffentlichen Teils, der Verkauf der Stuttgarter Traditionsparfümerie Mußler an das tschechische Internetunternehmen Notion. Inhaber und Geschäftsführer Mattias Mußler informierte im internen Teil über Hintergründe und Ziele der Transaktion. Doch mit dem Beginn des öffentlichen Teils rückten dann wieder die eigentlichen Themen der Veranstaltung in den Blickpunkt.

Ein Thema viele Perspektiven: Echtheit und Glaubwürdigkeit
Echtheit und Glaubwürdigkeit gewinnen immer stärker an Bedeutung, sie avancieren zunehmend zu gesellschaftlich zentralen Werten. Das gilt für den ethischen Konsum genauso wie für das Vertrauen in Marken, Produkte und Dienstleistungen. Eine Marke ist nichts anderes als institutionalisiertes Vertrauen. Fehlende Glaubwürdigkeit ist daher Gift für jede Marke. Und besonders für das Internet gilt: Markenfälschungen, Fakeshops und Graumarkt machen die Frage nach Echtheit und Glaubwürdigkeit zu einer Überlebensfrage.

Echtheit und Glaubwürdigkeit – Schlüsselfaktoren für die Parfümerie
Welche Rolle spielen Echtheit und Glaubwürdigkeit also für die Parfümeriebranche? Diese Frage beantworteten vier Referenten aus ganz unterschiedlichen Perspektiven:

  • Echtheit im Umgang mit Marken und deren Marken-DNA
  • Echtheit im Umgang mit sich selbst und seinen Leistungen
  • Echtheit im Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Partnern
  • Echtheit im Umgang mit dem Internet
  • Echtheit im Umgang mit Preisen und Rabatten

Eine Diskussionsrunde im Anschluss führte die Ergebnisse zusammen.

Schleichende Entwertung des Luxus: Authentizität als Ausweg
Unter der Überschrift „Schleichende Entwertung des Luxus: Authentizität als Ausweg“ erklärte Markenspezialistin Patricia Anna Hitzler was ein wirkliches Luxusprodukt ausmacht. Die inflationäre Verwendung des Begriffs „Luxus“, so Patricia Anna Hitzler stellt die Luxusbranche vor eine der größten Herausforderungen und wirft die Frage auf: Was tun, wenn die Exklusivität verloren geht und Luxus plötzlich gewöhnlich wird? Gerät die gewohnte Welt ins Schwanken, kommen Zweifel und Misstrauen auf, bietet Echtheit und Authentizität den Menschen Sicherheit und Vertrauen sagt Hitzler. Neben fundamentalen Kriterien, wie bspw. Natürlichkeit, Transparenz und Ehrlichkeit, steht dem Luxussegment darüber hinaus eine Bandbreite authentizitätsfördernder Eigenschaften zur Verfügung: Historie, Tradition und Handwerk, Kunst und Kultur und der wohlüberlegte, gemäßigte Einsatz von Werbung sind nur einige der Maßnahmen, die eingesetzt werden können, um die Wahrnehmung von Authentizität zu verbessern. Das alles funktioniert jedoch nur, wenn diese Werte auch gelebt werden.

Lieber echt als sicher – Echtheit als Erfolgsfaktor und Lebensziel
Wer andere anstecken will, muss selbst brennen und wird andere mitreißen will, der muss sich in erster Linie selbst im Griff haben. Dabei sind Spitzenleistungen nicht automatisch das Resultat von Training und Können, sondern in erster Linie eine Frage ehrlicher und detaillierter Planung und konsequenter Umsetzung und eisernen Willens. Das glaubt zumindest Hubert Schwarz, Extremsportler, Motivationstrainer und Unternehmer und er handelte danach und vertausche eine gesicherte Karriere im öffentlichen Dienst gegen eine unsichere Zukunft als Extremsportler, Unternehmer und Visionär. Nur wer ehrlich mit sich selbst und anderen umgeht, seinen eigenen Zielen und Leistungen realistisch einschätzt und bewertet wir auch hochgesteckte Ziele erreichen. Dabei beginnt auch der längste Weg mit dem ersten Schritt und dann nur immer einem weiteren.

Wie echt ist Online? – Erfolgreiche Differenzierungsstrategien im (Online-)Handel
Wer das Internet isoliert betrachtet ist auf dem Holzweg glaubt Michael Nenninger, Markenflüsterer, Co-Founder und CEO der Voycer AG. Online wie offline gelten dieselben Gesetze und Mechanismen. Dennoch müssen wir unser Denken fundamental verändern. Weg vom Faktenwissen hin zu Erlebnissen. So spiel die exakte Zusammensetzung einer Creme für die Kundin letztlich gar keine Rolle. Sie sucht, ganz im Sinne der Philosophie der Qualitätsgemeinschaft first in beauty eine Lösung: Die Lösung ihres ganz persönlichen „Beautyproblems“. Werbeaussagen und Produktinformationen sind hier keine Hilfe. Echte Erlebnisse echter Menschen sind gefragt. Ein Amateurvideo auf Youtube ist in diesem Zusammenhang glaubwürdiger als alle Hochglanzmagazine der Hersteller. Persönliche Erfahrungen Empfehlungen und Emotionen zählen mehr als wissenschaftliche Expertise. Oder um mit Michael Nenninger zu sprechen „Das Mäherlebnis mit einem Rasenmäher interessiert den Kunden mehr als die Länge des Kabels.“. Wer das umsetzt und zukünftig Erlebnisse verkauft und keine Produkte wird zu den Gewinnern zählen, online wie offline.

Echte Preise oder Rabatte – Wege aus der Abhängigkeit
Rabatte als Allheilmittel!? Ganz sicher nicht! Das glaubt zumindest Dr. Tobias Maria Guenter, Senior Director bei Simon-Kucher & Partners, Strategy & Marketing Consultants. Nicht oder falsch geplante Promotions und Preispunkte vernichten Werte und nutzen sich ab und machen unglaubwürdig. Sie vermitteln dem Kunden ein falsches Bild vom Markt, den angebotenen Produkten und Preisen und führen letztlich zu einer fatalen Verschiebung im Preis-Wert Verhältnis. Statt sinnlos mit Rabatten zu arbeiten empfiehlt er den wahrgenommenen Wert durch Werttreiber bzw. Zusatznutzen zu erhöhen. Auch sollten vor jeder Promotion konkrete Ziele definiert und die Zielerreichung kontrolliert werden. Dabei sind je nach Zielgruppe unterschiedliche Ziele denkbar und sinnvoll diese können sowohl die Kundenfrequenz, Umsatz, als auch Ertragssteigerungen betreffen. Ein nach je nach Kundengruppen ausgerichtetes Promotion Konzept verheißt dabei auch unter Image-Gesichtspunkten langfristig mehr Erfolg als Rabatte nach dem Gießkannenprinzip.

Diskussion: Echt und Glaubwürdig aus der Rabattfalle!
Das bestätigt auch die anschließende Diskussion. Moderiert von Dr. Bodo Kubartz diskutierten Einzelhändler und Experten über die aktuelle Situation und Strategien für die Zukunft der Branche. Echtheit, Glaubwürdigkeit und Erlebnisse bringen Kunden in die Geschäfte. Dabei geht es immer stärker darum das richtige Angebot zu haben. Sortimentsarbeit ist hier das Gebot der Stunde. Auch beim stationären Einkauf, das zeigt auch eine aktuelle Studie des Instituts für Handelsforschung, sind Glaubwürdigkeit, Echtheit und Vertrauen wichtige Faktoren. Wichtiger sogar als Rabatte.

Echt bleiben – Veränderungen vorantreiben
„Im Rahmen einer Tagung ist es sicher nicht möglich Patentrezepte für die Zukunft einer ganzen Branche zu liefern. Ich glaube aber, dass es uns gelungen ist die richtigen Fragen zu stellen und so den Blick auf die wirklich drängenden Probleme der Branche zu schärfen. Die Vorträge waren hier eine gute Hilfestellung und lieferten viele Denkanstöße“ so Barabara Summerer, Präsidentin des Bundesverbandes Parfümerien. Das glaubt auch Verbandsgeschäftsführer Elmar Keldenich und versucht die Essenz der Vorträge und Diskussionen zusammen zu fassen:
„Seinen Sie echt und, auch was ihre Sortimente angeht, ehrlich. Definieren Sie klare und erreichbare Ziele. Entwickeln Sie passende Strategien. Planen Sie deren Umsetzung detailliert und genau. Halten Sie konsequent und beharrlich an Ihren Zielen fest. Und, ganz wichtig, fangen Sie mit den Veränderungen SOFORT an!“

Ehrungen und Jubiläen
Im Rahmen der Abendveranstaltung wurden herausragende Persönlichkeiten, Menschen und Unternehmen der Branche geehrt.

Beauty Alliance Geschäftsführer Ulrich Schwarze erhielt die goldene Ehrennadel des Bundesverband Parfümerien e.V. für seine langjährigen Verdienste um die Parfümeriebranche und den Mittelstand. Auch die Beauty Alliance selbst erhielt eine Anerkennung zum 50. Kooperationsjubiläum. Sie wurde Ulrich Schwarze und seinem Nachfolger Frank Haensel stellvertretend für alle Gesellschafter der Bielefelder Kooperation überreicht.

Auszeichnungen für besondere unternehmerische Leistungen und Verdienste um die Branche erhielt auch die Parfümerie Liebe aus Hannover zum 145. Firmenjubiläum. Seniorchef Kurt Prenzler nahm im Namen der Familie die Ehrung entgegen.

Ausgezeichnet wurde auch die Parfümerie Wiedemann, Bad Tölz. Die Oberbayern können mit Stolz auf eine 160jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken. Inhaber Peter Wiedemann nahm die Ehrung von Präsidentin Barbara Summerer und Vizepräsident Rainer Eiden entgegen.

Die nächste Parfümerietagung findet am 09. und 10. April 2018 in Düsseldorf statt.

(Autor/Quelle: www.parfuemerieverband.de)

 

 

 

 

 

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